Es war Sommeranfang. Doch die Temperaturen waren alles andere als sommerlich – 12 Grad und Regen. Trotzdem kamen am Wochenende rund 1.000 Christen zum Sächsischen Gemeindebibeltag in die Eissporthalle Crimmitschau. Er stand in diesem Jahr unter dem Motto „Lebenslust“. Und die ließen sich die Teilnehmer trotz der widrigen Wetterbedingungen nicht nehmen. Der Evangelist und Kabarettist Torsten Hebel (Berlin) sagte in seiner Bibelarbeit, Christen sollten ihren Glauben so leben, dass sie für ihre Mitmenschen erkennbar sind. „Im 21. Jahrhundert müssen wir uns das Recht erstmal erwerben, gehört zu werden“, sagte er. Christen würden in erster Linie nach ihren Taten beurteilt. Er wünsche sich, dass sie mehr auf andere Menschen zugehen, anstatt sich in ihren Kirchen und Gemeindehäusern zu verbarrikadieren. Wenn Christen Licht und Salz der Erde sein wollten, müssten sie für ihre Umwelt bemerkbar sein. Das fange beim Gesichtsausdruck an: „Man sollte Christen auch an ihren Gesichtern erkennen. Da muss die Hoffnung ablesbar sein, von der sie leben.“ Wer das Ziel des Lebens kenne – nämlich die Ewigkeit bei Gott – könne den Weg durchs Leben anders gehen.
Hebel ermutigte die Besucher, ihre Beziehung zu Jesus so zu pflegen wie eine Liebesbeziehung. Eine Ehe funktioniere auch nur, wenn sich beide Partner Zeit füreinander nähmen. In der Beziehung zu Jesus sei es genauso. Hebel empfahl, regelmäßig die Bibel zu lesen und zu beten. „Die Bibel ist nicht nur gute Literatur, sondern das lebendige Wort Gottes.“ Die „stille Zeit“ mit Gott sei kein Gesetz, sondern ein Vorrecht, um für den Alltag geistlich aufzutanken.
Der Arzt und katholische Theologe Manfred Lütz (Köln) vertrat in einem Seminar zum Thema „Lebenslust“ die Ansicht, dass das Streben nach Gesundheit in der Gesellschaft immer stärker religiöse Züge annimmt. Gesundheit gelte als höchstes Gut. An Orten, an denen früher Kathedralen gebaut worden seien, entstünden heute Fitnesstempel. Die Gesundheitsreligion sei die mächtigste Religion aller Zeiten und weise totalitäre Züge auf. Lütz: „Während man über Jesus heute jeden Witz machen kann, kann man sich das beim Thema Gesundheit nicht erlauben.“ Außerdem sei sie teurer als alle anderen Religionen. Lütz zufolge waren die Ausgaben aller Krankenkassen im vergangenen Jahr höher als der gesamte Bundeshaushalt.
Der Gesundheitswahn habe inzwischen selbst Teile der Kirche erreicht, sagte der Autor mehrerer Bestseller. „Während man früher gefastet hat, um Verzicht zu üben, fastet man heute, um möglichst spät und gesund in den Himmel zu kommen.“ Zwar sei die Gesundheit für Christen ein hohes Gut, „nicht aber das höchste“, so Lütz. Anstatt nur noch vorbeugend zu leben, sollten Christen jeden Tag ihres Lebens als Gottesgeschenk genießen. Der Vorsitzende des Landesverbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen, Prof. Johannes Berthold, sagte im Abschlussgottesdienst, wer wie Christen unter dem offenen Himmel lebe, müsse nicht krampfhaft versuchen, den Himmel auf Erden zu schaffen, sondern könne fröhlich und erfüllt leben. Parallel zu dem Programm in der Eissporthalle fand ein Kinderprogramm mit Schwester Christa Weik statt unter dem Motto „Gott braucht mich, das ist der Hammer“. Daran beteiligten sich rund 100 Jungen und Mädchen. Bereits am Sonnabend nahmen rund 300 Jugendliche am Gemeindejugendbibeltag teil. Der Sächsische Gemeindebibeltag ist eine Initiative innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Als örtlicher Veranstalter fungiert der CVJM Crimmitschau in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Allianz.
Matthias Pankau, Ev. Nachrichtenagentur idea